Amiens, eine Stadt hinter der Front

Während des Großen Krieges befand sich im Somme-Gebiet eine Frontzone, die sich entsprechend den Offensiven verschob. Sie stieß in den Westen des Départements und insbesondere die Stadt Amiens hinter der Front vor.

Amiens blutet aus 1000 Wunden. Die alte Stadt in der Picardie, die unlängst so fröhlich war, ist jetzt von Resignation und Schweigen gezeichnet.

Le Petit Journal (1918)

Die Stadt Amiens befand sich etwa 30 km von den Hauptkampfschauplätzen im Département entfernt und unterhielt kontinuierliche eine starke Verbindung zu dem Schlachtfeld. Vier Jahre lang lebte man unter der ständigen Bedrohung durch das deutsche Heer. Die Stadt in der Picardie war jedoch nur elf Tage lang besetzt, zu Anfang September 1914. Zwei Monate intensiver Bombenangriffe im Frühjahr 1918 haben zu schweren Sachschäden im Stadtkern geführt.

Die Einwohner von Amiens erinnern sich häufig bewegt an die zwölf Geiseln, die von den Deutschen zu Anfang September 1914 im Rahmen der kurzen Besetzung der Stadt gefordert wurden. Die Hauptnachwirkungen des Konflikts im Herzen der Stadt in der Picardie stellen jedoch die beträchtlichen Sachschäden aus dem Frühjahr und Sommer 1918 dar, die aufgrund der schweren Bombenangriffe durch die Deutsche entstanden.

Die Stadt Amiens ist der hintere Stützpunkt der alliierten Streitkräfte während der Schlacht an der Somme. Sie erlebt die Kämpfe aus nächster Nähe mit und nimmt die Verletzten auf, um sie zu pflegen.

soldats canadiens

Das Leben hinter der Front

Nach Amiens kommen zahlreiche Truppen aus aller Welt und die Front befindet sich dreißig Kilometer entfernt. Die Soldaten und Offiziere entfliehen den Schützengräben an dieser Front, sobald sie können.

Der Kriegskorrespondent Philip Gibbs beschreibt diese jungen Leute, die vor dem Tod regelrecht mit Geld um sich schmissen. Sie kauften Seife, Rasierer, Hemden und Schallplatten und flirteten errötend mit den jungen Mädchen mit glänzenden Augen hinter dem Tresen. Abenteuerlustigere vergnügten sich mit Prostituierten.

Amiens schwer von deutschen Bombenangriffen getroffen

Im März 1918 fliehen die Einwohner von Amiens nach und nach nach Paris oder Rouen, als die Stadt Zielscheibe des deutschen Vormarsches wird. 

Gegen Ende März gelangt das deutsche Heer bis nach Moreuil, nur 17 km südöstlich von Amiens. Doch am 25. April schiebt die Rückeroberung von Villers-Bretonneux durch die australischen Truppen den deutschen Plänen einer Rückeroberung von Amiens einen endgültigen Riegel vor. Später bringt Ludendorff in seinen Memoiren seine Verbitterung darüber zum Ausdruck, dass man Amiens nicht erobern konnte. 

Da sie die Stadt nicht einnehmen können, entscheiden sich die Deutschen für eine schwere, methodische Artilleriebombardierung.

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Beffroi d'Amiens

Cathédrale Notre-Dame d'Amiens

Editoriale